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Prüfungsanfechtung – Was ist dabei wichtig?

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Sofern triftige Gründe für eine Prüfungsanfechtung vorliegen, sollte fachkundige Rechtshilfe hinzugezogen werden © Antonioguillem_Fotolia.com

Das Leben als Student könnte so entspannt sein, wären da nicht die lästigen Prüfungen, die über das Semester und vor allem am Semesterende auf einen warten. Nach dem Studium sind die erzielten Leistungen sehr wichtig, um erfolgreich in das Berufsleben starten zu können oder sich für einen weiteren Hochschulplatz zu bewerben. Schlechte Prüfungsergebnisse sind aber leider keine Seltenheit. Wer nichts für eine Klausur gelernt hat, der weiß genau, warum er eine schlechte Note bekommen hat. In manchen Fällen fühlen sich Studenten aber ungerecht behandelt und das sogar mit Recht. Was kann man machen, wenn mit einem guten Prüfungsergebnis zu rechnen war, aber die Realität ganz anders aussieht? Wer sich eine schlechte Benotung nicht erklären kann, hat die Möglichkeit eine Prüfungsanfechtung in die Wege zu leiten.

Was ist eine Prüfungsanfechtung?

Mit der Hilfe eines Rechtsanwalts für Prüfungsrecht kann man bereits abgeleistete Prüfungen oder aber auch die Rahmenbedingungen einer Prüfung anfechten. Liegt ein gutbegründeter Sachverhalt vor, kann das Recht des Prüflings vor Gericht eingefordert werden. Ein erfolgreicher Ausgang der Verhandlungen kann entweder zu einer Notenverbesserung oder einer Prüfungswiederholung führen.

Welche Prüfungen können angefochten werden?

Grundsätzlich können Prüfungen jeglicher Art angefochten werden. Dabei kommt es auf kein spezielles Fachgebiet an. Rechtlich kann man gegen das Prüfungsergebnis von Trägern hoheitlicher Gewalt vorgehen. Das sind zum Beispiel:

  • Schulen
  • Fachhochschule
  • Universitäten
  • Industrie- und Handelskammern
  • Handwerkskammern

Jede geleistete Prüfung ist ein Verwaltungsprozess für die staatlichen Einrichtungen, bei denen Fehler passieren können. Durch einen Widerspruch oder einer Klage seitens eines Studenten, besteht die Möglichkeit eine Prüfung anzufechten. Nicht nur Abschlussprüfungen wie Examen, Bachelorarbeiten oder Masterarbeiten können rechtlich verfolgt werden, sondern auch Zwischenprüfungen oder Klausuren, die Studenten während den Semestern geschrieben haben.

Welche Gründe kann eine Prüfungsanfechtung haben?

Es gibt unterschiedliche Gründe, warum eine Prüfung annulliert werden könnte. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen zwei Sachverhalten:

  • Fehlerhafte Beurteilung
  • Fehlerhaftes Verfahren

Fehlerhafte Beurteilung

Hier wird geprüft, ob die Bewertung eines Prüfers richtig bzw. vertretbar ist. Dieser Sachverhalt ist nicht immer ganz einfach zu klären, da viele Prüfungsfragen einen gewissen Beurteilungsspielraum in der Bewertung zulassen und manche Antworten verstärkt subjektiv gewertet werden können. Deshalb beauftragt man in diesen Fällen oftmals unabhängige Sachverständige. Diese sind Experten des betroffenen Fachgebiets, die das Ergebnis nochmals objektiv prüfen. Praktische Beispiele für fehlerhafte Bewertungen sind:

  • Der Prüfer hat nicht alle Aspekte der Beantwortung wahrgenommen und gewertet.
  • Ein Teil der Fragen wurden fehlerhaft gestellt.
  • Viele Fragen bieten dem Prüfling einen Antwortspielraum. Ist eine Antwort fachlich richtig oder vertretbar und wurde vom Prüfer als falsch bewertet, stellt das einen Fehler dar.
  • Alle Fragen müssen mit der gleichen Herangehensweise korrigiert werden. Ist das nicht der Fall, liegt eine Missachtung des Gleichbewertungsgebot vor.

Fehlerhaftes Verfahren

Prüfungen an Universitäten unterliegen festgelegten Rahmenbedingungen, die über die gesamte Dauer eingehalten werden müssen. Sind diese nicht gegeben, kann rechtlich gegen die Prüfung vorgegangen werden. Beispiele dafür sind:

  • Unzumutbare Beeinträchtigungen während einer Prüfung, können zur Anfechtung einer Prüfung führen. Störende Einflüsse sind zum Beispiel Lärm, Hitze, fehlende Belüftung oder auch Kälte.
  • Ist ein Prüfer grundsätzlich nicht für eine Prüfung zuständig oder fachlich ungeeignet, fehlt ein Betreuer, der in Einzelfällen Fragen beantworten kann. Das kann ebenfalls ein Grund zur Prüfungswiederholung sein.
  • Ein fehlerhaftes Verfahren liegt auch vor, wenn die angegebene Prüfungszeit nicht vollständig genutzt werden konnte.
  • Weitere Verstöße gegen individuelle Prüfungsvorschriften können in Einzelfällen zusätzlich als Grund eines Widerspruchs dienen.

Wie sieht das Vorgehen einer Prüfungsanfechtung aus?

Es ist wichtig, dass Fehler der Hochschule seitens des Studenten belegt sind. Diese sollten deshalb als erstes eine Akteneinsicht bei der Prüfungsbehörde beantragen. Sind Fehler oder Unklarheiten aufgetaucht, ist es wichtig einen Antrag auf eine schriftliche Begründung des Prüfers zu stellen.

Als Vorbereitung weiterer Schritte sollte der Kläger vorab eine schriftliche Darstellung der Bewertungs- oder Verfahrensfehler anfertigen. Daraufhin kann man einen gerichtlichen Widerspruch im Eilverfahren einlegen. Beachten sollte man dabei aber die geltenden Fristen. Der Student muss zeitnah, nach dem Erhalt des Prüfungsergebnisses, handeln. Die Frist liegt ab diesem Zeitpunkt in der Regel bei einem Monat. War dieses Verfahren erfolgreich, ist der Prozess beendet. Wird der Widerspruch jedoch abgelehnt, hat man die Möglichkeit Klage vor dem Verwaltungsgericht einzureichen. Ein Anwalt ist bei solchen Verfahren zwar keine Pflicht, aber auf jeden Fall eine bereichernde Hilfe.

Fazit

Nicht in allen Situationen, in denen sich Studenten ungerecht behandelt fühlen, sollte man vor Gericht ziehen. Erfolg hat man als Kläger meistens nur, wenn Bewertungs- oder Verfahrensfehler nachgewiesen werden können. Gibt es jedoch Gründe zur Beanstandung einer Prüfung, sollten die Betroffenen schnell handeln und am besten alle Schritte mit einem Anwalt besprechen.