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Deutsche Universitätsstädte und ihre vielen Gesichter

Die Entscheidung für oder gegen eine Universitätsstadt will wohl überlegt sein

Was ist überhaupt eine Universitätsstadt? Nun, ganz grundsätzlich ist es eine Stadt, in deren Grenzen sich eine Universität befindet. So weit, so klar. In Deutschland gibt es allein aus der Historie heraus, sehr viele davon. Denn in deutschen Landen wurde schon immer viel geforscht, entwickelt und studiert. Aber warum tragen manche Städte die Bezeichnung „Universitätsstadt“ als Zusatzbezeichnung in ihrem Städtenamen und andere nicht? Das erklärt sich damit, dass Städte wie Berlin, Hamburg oder München an sich schon weltbekannte Städte sind und statt diese Bezeichnung zu wählen, sie sich lieber mit Bezeichnungen wie Bundeshauptstadt, Hansestadt oder Landeshauptstadt schmücken. Dann gibt es Städte wie Heidelberg, Marburg, Jena, Mainz, Augsburg, Erlangen, Tübingen oder Marburg, die gern auf ihre Tradition verweisen und für die dieser Zusatz sehr wichtig ist zur Steigerung ihrer Attraktivität gegenüber Studenten und Dozenten nach außen hin. Das kann sogar so weit gehen, dass der Begriff auch auf dem Ortsschild Verwendung findet.

Panorama der Stadt Leipzig

© JiSIGN – Fotolia.com

Wie entscheidet man sich nun für die richtige Universitätsstadt? Sicherlich hängt es davon, was man studieren möchte und wie hoch das monatliche Budget ist, das Studenten zur Verfügung haben. Es ist leider so, dass es ein ziemlich großes Gefälle in Deutschland gibt, was die Lebenshaltungskosten und Wohnungsmieten betrifft. Soll es also unbedingt eine pulsierende Metropole wie Köln, Berlin oder Frankfurt am Main sein, in der die Studienzeit verbracht wird, dann muss man sich im Klaren sein, dass dieser Wunsch auch mit einem höheren Kostenaufwand verbunden ist, der gestemmt werden muss. Letztendlich hängt es natürlich auch von einem selbst ab, von dem individuellen Typen. Möchte man in der Anonymität einer Großstadt verschwinden oder mag man es gern gemütlich und legt Wert auf Zusammenhalt? Nichtsdestotrotz, fängt man sein Studium nicht in seiner Heimatstadt an, dann ist man zunächst ein Fremder in einer anderen Umgebung, in die sich erst eingelebt werden muss und deren schönste Stellen entdeckt werden wollen. Hierbei helfen die Webseiten der jeweiligen Städte und sogenannte Stadtführer, die zum Beispiel Informationen wie Jobangebote und freie Wohnungen oder auch Tipps für Events veröffentlichen.

Nicht jede Universitätsstadt ist so schlecht wie ihr Ruf

Gerade zum Beispiel Städte im Ruhrgebiet sind bei Ortsfremden nicht besonders begehrt, wenn es darum geht, einen Studienplatz zu ergattern. Und das oft völlig zu Unrecht, denn ihnen hängt immer noch das Image der Arbeiterstädte nach, das in den 1950er Jahren geprägt wurde. Bochum zum Beispiel, die ehemalige Stadt des Kohlebergbaus und der Stahlindustrie, ist längst zu einer Hochschullandschaft geworden, die in diesem Sektor über 6.000 Angestellte beschäftigt. Die Ruhr-Universität-Bochum ist mit 34.000 Studierenden in 20 Fakultäten und 100 Studiengängen eine der größten Universitäten Deutschlands. Obwohl erst 1962 gegründet, hat sich die Hochschule in Forschung und Lehre schon einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Auch Städte mit der Nähe zur Ost- oder Nordsee sind oftmals für Wochenendtrips sehr begehrt, aber sie werden nicht unbedingt mit einer renommierten wissenschaftlichen Ausbildung verbunden, die dort absolviert werden kann. Kiel, die Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins, liegt an der Ostsee, am Südende der Kieler Förde und lockt mit guter Meeresluft und vielen maritimen Events. Kiel hat drei Hochschulen, an denen zusammen fast 30.000 Studenten eingeschrieben sind. Schwerpunkte sind Meeresforschung- und Kunde, Biotechnologie und Jura, deren Institute sehr renommiert sind. Die Mitte Deutschlands oder auch das katholische Bundesland Bayern üben nicht auf jeden Studenten unbedingt gesteigerte Reize aus, aber auch das beruht meistens auf dem Hören-Sagen und stellt sich in der Realität völlig anders dar. Würzburg beispielweise ist eine der größten Städte Bayerns und gleichzeitig die Hauptstadt Unterfrankens. Sie liegt genau in der Mitte Deutschlands zu beiden Seiten des Mains und ist landschaftlich wunderschön eingerahmt von Spessart, Rhön und Steigerwald. Würzburg verfügt ebenfalls über drei Hochschulen mit rund 25.000 Studierenden, darunter die Julius-Maximilians-Universität, eine der ältesten und traditionsreichsten Universitäten Deutschlands. Gelehrt wird insgesamt an zwölf Fakultäten in 70 Instituten. Internationalen Weltruhm genießen die Fachbereiche Medizin und Biotechnologie. Ist man nicht im Osten der Republik geboren, zieht es die wenigstens Studierwilligen dorthin. Völlig unverständlich, denn die viel beschriebenen blühenden Landschaften sind mehr als nur reizvoll und bieten sich geradezu an, dort das Studentenglück zu finden. Rostock, an der Mündung zur Ostsee gelegen, ist eine traumschöne Hansestadt, deren Tochterstadt Warnemünde, die nur 15 km ist, jedes Jahr viele Hunderttausend Touristen beherbergt. Die Universität zu Rostock, sollte für alle von großem Interesse sein, die ihr Studium in der Regelstudienzeit durchziehen wollen. Großartige 80-90% der Studenten schaffen das hier, was nicht zuletzt daran liegt, dass es nur 13.000 Studenten gibt, die durch den engen Kontakt zu Professoren und Dozenten und dem intensiven Lernen in kleinen Arbeitsgruppen schnell zu ihrem gewünschten Ziel gelangen. Klein, aber vielfältig, ist hier der Grundsatz, denn es werden ca. 50 Studiengängen angeboten, dazu zählen Biomechanik, Medizintechnik, Technomathematik und Umweltrecht. Albert Einstein und Max Planck sind Ehrendoktoren der Uni, das spricht für sich. Jena hat für viele Studenten auf den ersten Blick überhaupt nichts Reizvolles, gilt diese Stadt doch als nicht besonders schön und wenig attraktiv. Aber auch hier ist das Vorurteil weit gefehlt, denn Jena ist die drittgrößte Stadt Thüringens und somit im „grünen Herzen“ Deutschlands an der Saale gelegen. Schon viele berühmte Persönlichkeiten wie Schiller und Goethe, Carl Zeiß, Ernst Abbe und Karl Marx waren begeisterte Einwohner dieser ostdeutschen Stadt. Die traditionsreiche Friedrich-Schiller-Universität wurde 1558 gegründet und hat heute 20.000 Studenten. Die Uni ist in 10 Fachbereiche und zahlreiche Institute gegliedert. Ehemalige prominente Studenten sind unter anderem Friedrich Hölderlin, Kurt Tucholsky, Gerhart Hauptmann und Manfred Stolpe. Die hier erwähnten Vorzüge von vermeintlich nicht sehr attraktiven oder erlebnisreichen Standorten und Universitäten gelten selbstverständlich noch für viele weitere Universitätsstädte in Deutschland wie Mainz, Heidelberg, Kassel, Frankfurt an der Oder und Regensburg, um auch hier wieder nur einige zu nennen.

Die 20 größten Universitäten und Fachhochschulen im kurzen Überblick

Wer es gern groß mag und sich unter anderem an der Zahl der Studenten für seine Entscheidung orientieren will, der findet hier eine jüngst in 2013 erhobene Statistik, die zeigt, welches die 20 größten Unis sind und wo sie sich in Deutschland befinden:

  • die Uni Köln hat 46.000 Studenten und ihren Sitz im Bundesland Nordrhein-Westfalen
  • die Uni München hat 45.000 Studenten und ihren Sitz im Bundesland Bayern
  • die Uni Hamburg hat 41.700 Studenten und ihren Sitz im Stadtstaat Hamburg
  • die Uni Münster hat 40.800 Studenten und ihren Sitz im Bundesland Nordrhein-Westfalen
  • die FU Berlin hat 37.600 Studenten und ihren Sitz in Berlin
  • die Uni Erlangen hat 35.300 Studenten und ihren Sitz im Bundesland Bayern
  • die Uni Mainz hat 34.500 Studenten und ihren Sitz im Bundesland Rheinland-Pfalz
  • die Uni Frankfurt hat 34.500 Studenten und ihren Sitz im Bundesland Hessen
  • die Uni Bochum hat 34.000 Studenten und ihren Sitz im Bundesland Nordrhein-Westfalen
  • die Uni Essen-Duisburg hat 33.600 Studenten und ihren Sitz in Nordrhein-Westfalen
  • die Fernuni Hagen hat 33.100  Studenten und ihren Sitz im Bundesland Nordrhein-Westfalen
  • die TU Dresden hat 31.800 Studenten und ihren Sitz im Bundesland Sachsen
  • die HU Berlin hat 31.200 Studenten und ihren Sitz in Berlin
  • die Uni Bonn hat 29.300 Studenten und ihren Sitz im Bundesland Nordrhein-Westfalen
  • die RWTH Aachen hat 28.100 Studenten und ihren Sitz im Bundesland Nordrhein-Westfalen
  • die Uni Leipzig hat 27.000 Studenten und ihren Sitz im Bundesland Sachsen
  • die TU Berlin hat 25.500 Studenten und ihren Sitz in Berlin
  • die Uni Tübingen hat 25.000 Studenten und ihren Sitz im Bundesland Baden-Württemberg
  • die Uni Hannover hat 24.700 Studenten und ihren Sitz im Bundesland Niedersachsen
  • die TU München hat 24.500 Studenten und ihren Sitz im Bundesland Bayern

Es ist sehr auffällig, dass die größten Universitäten eindeutig in NRW liegen, das hängt natürlich damit zusammen, dass es das bevölkerungsreichste Bundesland in Deutschland ist, zeigt aber auch, dass immer mehr Studenten von außerhalb sich für diese Region begeistern, die längst ihren Umbruch von der „Kohle-und Bergbau-Destination“ hin zur Kultur und Wissenschaft vollzogen hat.

Studiengebühren ja oder nein?

Für viele Studenten ist sicherlich ein signifikanter Beweggrund, sich für oder gegen eine Universitätsstadt zu entscheiden, in welchem Bundesland diese gelegen ist. Denn wer sich nicht auf die finanzielle Unterstützung der Familie verlassen kann, der muss sein Studium selbst finanzieren durch Nebenjobs, BAföG oder Studienkredite. In einem solchen Fall können Studiengebühren, die pro Semester anfallen, den schmalen Geldbeutel zusätzlich sehr belasten. Hier eine tabellarische Übersicht, in welchen Bundesländern Studiengebühren zu entrichten sind und die bei der Entscheidung oder der Suche weiterhelfen kann.

Bundesland

Studiengebühren/ Semester

Zusatzkosten/ Semester

Langzeit- studium

Zweit- studium

Baden-Württemberg

40-120 + Ticket

hängt von HS ab

Bayern

bis 500 – noch bis SW 13/14

Werk + Ticket

Berlin

280 (inkl. Ticket)

Brandenburg

220 (inkl. Ticket)

Bremen

240 (inkl. Ticket)

500

Hamburg

300 (inkl. Ticket)

Hessen

50 +Ticket + Werk + ASTA

Mecklenburg-Vorpommern

60-130

Niedersachsen

bis 500

300 (inkl. Ticket)

600-800

Nordrhein-Westfalen

100-240 (inkl. Ticket)

Rheinland-Pfalz

100-260

650

650

Saarland

180 (inkl. Ticket)

Sachsen

75-220

500

300-450

Sachsen-Anhalt

75-80 (inkl. Ticket)

500

500

Schleswig-Holstein

110-120 (inkl. Ticket)

Thüringen

160 (inkl. Ticket)

500

Quelle: www.e-fellows.net Für die Wahl des Studienstandortes ist auch die Situation auf dem Wohnungsmarkt sehr entscheidend, denn was nützt es in der Stadt der Träume zu studieren, wenn es schier unmöglich scheint, eine bezahlbare Bleibe zu bekommen. Daher muss sich jeder Studierende eingängig mit den unterschiedlichen Gegebenheiten in den Universitätsstädten befassen und im Vorfeld seiner Entscheidung, das Wohnungsangebot sondieren.

Universitätsstädte im Ausland

Wer darüber nachdenkt, sein Studium komplett oder teilweise im Ausland zu verbringen, dem sei zum Schluss gesagt, dass ein britisches Magazin vor kurzem anhand eines komplizierten Schlüssels die 200 besten Universitäten herausgefiltert hat. Dabei kam heraus, dass sich die Universitäten mit den besten Werten in Großbritannien und den USA befinden. Allein 45 Universitäten der 100 weltweit renommiertesten Hochschulen sind in den USA und 12 in Großbritannien. Den besten Ruf weltweit genießt das amerikanische Harvard, gefolgt vom California und vom Massachusetts Institute of Technology. Das ist natürlich nur eine Erhebung von vielen. Das europäische Ausland, wie Spanien, Dänemark, Schweden und viele andere Destinationen, genießt mit seinen Universitäten und Metropolen selbstverständlich ebenfalls einen hervorragenden Ruf, wenn vielleicht auch nicht gerade bei den Engländern.